Kinder im Internet? Ja, aber kindersicher!

Um den meisten der bereits besprochenen Gefahren vorzubeugen, reichen oft einfache und kostenlose Maßnahmen.

  1. Aufklärung
  2. Computer kindersicher einrichten
  3. Überwachung der Computernutzung
  4. Eingreifen bei Gefahr

Aufklärung

Das Erste, was Eltern machen können (und sollen) - eigene Kinder aufzuklären, dass das Internet gefährlich sein kann.
Dabei sollte man auf keinen Fall übertreiben, sondern die möglichen Gefahren ansprechen und empfehlen, was dann zu tun ist.
Es geht vor allem darum, dem Kind klar zu machen, wie es von alleine mit z.B. Sex, Gewalt oder extremistischer Hetze klar kommen kann.

Tipp: Man kann bei den Kleinkindern immer darauf hinweisen, dass sie noch zu jung seien und ein bisschen älter sein müssten, um das alles zu verstehen.

Die Computersucht wird oft unterschätzt. Und die Betroffenen verstehen oft selbst nicht, dass sie süchtig sind. In diesem Fall kommt man allein mit Aufklärung nicht mehr weit, es gibt jedoch viele wirksamen technischen Möglichkeiten die Computernutzung der Kinder zu beschränken.
Eine effektive Hilfe gegen Mobbing in der Schule, ist dem Kind zu erklären, dass es keine Angriffspunkte fürs Mobbing geben darf und selbstbewusst keine Mobbing Versuche der Mitschüler dulden soll und vor allem die Eltern davon informieren muss.

Tipp: Da die Mobber vor allem Opfer suchen, aber keine Gegner, hilft es vielleicht das Kind zu einem Kampfsportkurs anzumelden. Im schlimmsten Fall sollten die Eltern auch in Erwägung ziehen das Kind in eine andere Schule zu schicken.

Um nicht in die Kostenfallen durch Abmahnungen zu tappen, sollte man den Kindern erklären, warum die Nutzung von Tauschbörsen ziemlich teuer enden kann.
Und um sich den Stress mit Abofallenbetreibern zu ersparen, sollte das Kind verstehen, dass die persönlichen Daten auf keinen Fall im Internet veröffentlicht werden sollten: keine Anschrift, Namen, E-Mail oder Privatfotos.
Worauf man ein Kind überhaupt nicht vorbereiten kann, ist Mißbrauch durch Fremde. Denn ein Kind erkennt oft gar nicht, dass es mit einem Erwachsenem kommuniziert, der sich als Freund ausgibt. Denn die Pädophilen nutzen die Anonymität des Internets schlau und vorsichtig aus.
Besonders oft versuchen sie die Jugendlichen in sich zu verlieben - dann erzählen die Kinder auch von alleine den Eltern nichts mehr davon.

Tipp: Man sollte den Kindern auf jeden Fall verbieten, sich alleine mit Internetbekannschaften zu treffen. Am besten sollte man die Kommunikation mit den Fremden diskret überwachen, durch Screenshots dokumentieren und im begründeten Verdachtsfall die Polizei benachrichtigen.

Computer kindersicher einrichten

Als Zweites, sollte der Computer kindersicher eingerichtet werden.
Diese Maßnahme ist notwendig, weil Kinder trotz Aufklärung im Grunde Kinder bleiben und am Computer oft unbewusst handeln.
  1. Infolgedessen muss ein kindersicher eingerichteter Computer erstmal sicher sein.
    Auch für Erwachsene ist ein Computer, der sicher eingerichtet ist, von Vorteil: er ist weniger für Viren, Trojaner und andere Schädlinge anfällig, man muss das System beim Virenbefall nicht neu installieren und keine Sorgen haben, dass sensible Daten, wie Passwörter, PIN oder TAN Nummern in die falschen Hände geraten.

    Wie ein Computer mit einfachen Mitteln sicher eingerichtet werden kann, werde ich in einem der nächsten Blogs ausführlich behandeln.

  2. Kinder dürfen niemals den Computer als Benutzer mit administrativen Rechten nutzen
    Der Grund dafür ist einfach: als Administrator können Kinder alle Sicherheitsmaßnahmen umgehen, beliebige Programme (de-)installieren und der Computer ist anfällig für Schädlinge.
    Es ist zwar ein Irrtum verbreitet, dass ohne Adminrechte einige Programme nicht funktionieren, aber alle gut programmierten Programme müssen auch mit eingeschränkten Berechtigungen gut auskommen können. Sonst sollte man so ein Programm nicht auf dem eigenen Rechner installieren, denn die Nutzung dieses Programms wäre bereits ein potenzielles Sicherheitsrisiko.
  3. Aufstellungsort des Computers ist wichtig
    Man sollte sich überlegen, ob es unbedingt notwendig ist, einen eigenen Computer im Kinderzimmer aufzustellen?
    Wahrscheinlich ist es besser den Computer dort aufzustellen, wo die Eltern besser sehen könnten, was das Kind auf dem Computer treibt.
    Man muss nicht ständig auf den Monitor schauen, aber wenn das Kind das Gefühl hat, dass Eltern jederzeit sehen könnten, was auf dem Bildschirm passiert, dann könnte man relativ sicher sein, dass das Kind nichts Schlimmes mit Absicht anstellen wird.
  4. Installation von weiteren Kindersicherungsprogrammen
    Auch Benutzer ohne Adminrechte können Programme ausführen und können viel mehr tun als es zu sein scheint.
    Im Prinzip ist auch ein Kind mit eingeschränkten Benutzerrechten den Gefahren aus dem Internet ausgesetzt. Nur wird vielleicht die Filesharing Gefährdung ein bisschen reduziert. Aber auch viele Filesharing Programme können ohne Adminrechte ausgeführt werden. Deswegen ist die Installation von weiteren Programmen für die Kindersicherung des Computers notwendig.
    In den folgenden Tipps werde ich die Programme für die Betriebssysteme von Microsoft auflisten, weil sie am weitesten verbreitet sind
    • Microsoft Live Family Safety (kostenlos, für Windows Vista und 7 vefügbar)
      Bei diesem Produkt handelt es sich um eine Weiterentwicklung von Windows Jugendschutz verknüpft mit den Microsoft Live Diensten.
      Der Vorteil von MLFS: man kann Webfilter einrichten, mit denen viele, bereits als jugendgefährdend bekannten Webseiten gesperrt werden.
      Der Nachteil: nicht alle schlechten Webseiten sind auf dem Index und nicht alle blockierten Inhalte sind auch schlecht.
    • ShutDownApp (SDA) (kostenlos, für Windows XP, Vista und 7 vefügbar)
      Eigentlich habe ich das Programm zum anderen Zweck entwickelt - damit jeder Computerbesitzer eigenen Computer auch vom Handy im Blick hat. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass das Programm auch ganz gut zum Kinderschutz geeignet ist und meine Freunde setzen das Programm auch erfolgreich zur Kinderüberwachung ein.
      Der Vorteil von SDA: man kann auf den Screenshots sehen, was Kinder am PC machen. Das geht (auch wenn man nicht zu Hause ist) von einem anderen Computer oder einem internetfähigen Handy direkt im Browser. Und wenn den Eltern etwas nicht gefallen sollte, können sie auch sofort eingreifen: z.B. kann der Computer (oder ein bestimmtes Programm) direkt über das Internet ausgeschaltet werden.
  5. Nehmen Sie sich Zeit und überwachen Sie die Computernutzung des Kindes
    Alle Maßnahmen können wirkungslos sein, wenn es keine Kontrolle gibt, ob sie noch funktionieren...

Überwachung der Computernutzung

Das Internet ist grenzenlos und Kinder entdecken für sich die Welt und interessieren sich praktisch für alles.
Jeden Tag kommt man auf neue Webseiten und entdeckt neue Inhalte.

Alle Sperren können mit mehr oder weniger Aufwand überlistet werden. Deswegen sollte man nicht zu viel Vertrauen in die Sperren setzen - wenn etwas verboten ist, wird nur der Drang größer das Verbotene zu sehen. Sei es bei den Kumpels, die keine Websperren haben, oder auf dem Schulhof - es ist praktisch unmöglich das aufzuhalten.

Viel wichtiger ist es zu wissen, wofür sich das Kind interessiert, um die gefährlichen Interessen sofort an der Wurzel zu packen.
Das Schwierigste ist es zu erkennen, wenn es plötzlich in die falsche Richtung geht.
Und das kann man oft nur mit Hilfe von geeigneten Überwachungsmaßnahmen erreichen.

Empfehlenswertes Vorgehen mit SDA wäre:
- einmal pro Woche die Prozesslisten der Kinder anzuschauen.
- dort sind die Titelzeilen der ausgeführten Programme aufgelistet.
- beim Verdacht sollten die Screenshots von diesem Datum näher angesehen werden.

Und nicht vergessen:
Computerüberwachung der eigenen Kinder ist nicht verboten, sondern gehört zur Aufsichtspflicht der Eltern, hilft ihnen die Gefahren präventiv zu erkennen und macht es erst möglich schnell zu reagieren, bevor Schlimmeres passieren kann.

Eingreifen bei Gefahr

Aber was tun, wenn das Kind gefährdet wird?
  1. Zuerst muss der Gefährdungsgrad bewertet werden.
    Bei einem zufälligen, einmaligen und kurzfristigen Besuch einer Erotik oder Gewaltwebseite, sollte man sich nicht so viele Gedanken machen.
  2. Beim größeren Interesse seitens des Kindes
    Wenn das Kind jedoch die Webseite lange ansieht und/oder wiederholt diese oder ähnliche Webseiten ansurft, dann könnte man:
    • den Webbrowser mit SDA temporär schließen, um zu schauen, ob das Kind wieder die Webseite ansehen möchte
    • oder

    • die Webseite mit MLFS oder SDA permanent sperren
    • und

    • wenn das Kind hartnäckig versucht, die Webseite erneut zu besuchen, ist ein persönliches Eltern-Kind Gespräch notwendig.
  3. Bei Suchtgefährdung
    sollten die Computerzeiten der Kinder mit MLFS oder SDA beschränkt werden.
    Außerdem sollte festgestellt werden, welche Anwendung zur Suchtgefahr führt, um gezielt dagegen wirken zu können (z.B. ein Sportverein könnte gegen Computerspielsucht und echte Freunde gegen die Chatabhängigkeit helfen)
    Zusätzlich möchte ich noch ein E-Book von Daniel Plaikner zum Thema Computersucht empfehlen.
  4. Bei Mobbing im Internet
    wäre ratsam die Beweise zu sichern und eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten.
    Wenn alle Beweise (auch durch die Polizei und/oder Rechtsanwalt) gesichert sind, sollte man sich um die Löschung der Inhalte kümmern.
    Außerdem sollte das Kind gelehrt werden, wie es mit Mobbing umgehen könnte.
  5. Bei Mißbrauchsgefährdung
    ist es auf jeden Fall wichtig Beweise zu sichern (vor allem Screenshots) und die Polizei zu benachrichtigen.
    Außerdem sollte dem Kind durch ein persönliches Gespräch klar gemacht werden, dass seine Internetbekannschaft gefährlich ist.
  6. Um sich gegen Internetabzocker zu wehren
    sollte man wissen, dass alle Verträge,
    • die mit Kindern unter 7 Jahren abgeschlossen wurden, nichtig sind.
    • die durch Minderjährige abgeschlossen worden sind, erst mit der Zustimmung des gesetzlichen Vertreters wirksam sind.
      Also sollten die Eltern die Zustimmung verweigern, dann ist der Vertrag von Anfang an unwirksam.

    Um unerlaubte Abbuchungen zu entdecken, sollten Bankauszüge und Telefonrechnungen regelmäßig kontrolliert werden, um sofort dagegen widersprechen zu können.

  7. Damit das Kind im Internet keine Rechtsverletzungen begeht
    • ist als erstes die Aufklärung wichtig.
    • Die Filesharing Programme können mit der Triggerfunktion von SDA blockiert werden.

    Sollte es trotzdem zu einer Abmahnung kommen, ist es praktisch unmöglich sich dagegen zu wehren.
    Wie die vielen Urteile dazu zeigen, glauben die Richter, eher den Klägern als den Beklagten. Paradoxerweise führen die Misstände im deutschen Rechtssystem dazu, dass der Beklagte seine Unschuld nachweisen muss, was praktisch kaum möglich ist.

    Wichtig ist es bei einer Abmahnung zu wissen:

    • man sollte einen darauf spezialisierten Rechtsanwalt aufsuchen,
    • es gibt immer Verhandlungsraum bei den Beträgen, die meistens aus der Luft gegriffen sind,
    • man sollte niemals die zugeschickte Unterlassungserklärung unterschreiben, sondern die, die durch den eigenen Rechtsanwalt formuliert wurde,
    • und man sollte ein persönliches Eltern-Kind Gespräch führen, in dem den Kindern klar gemacht wird, wie viel Stress durch illegale Downloads verursacht werden kann.